Der Jazzmusiker Johnny Fischer ist im Haus an der Effnerstraße angekommen: Er geht seinen Interessen nach – unterstützt von Primary Nurse Marijana Milankovic als Ansprechpartnerin.

Personzentrierte Pflege leben

Individuell abgestimmte Pflege beginnt dort, wo Menschen einander wirklich kennen: mit festen Bezugspersonen, verläss­lichen Teams und klaren Absprachen. Im MÜNCHENSTIFT-Haus an der Effnerstraße wird Personzentrierung im Alltag spürbar – unterstützt durch das Bezugspflegesystem Primary Nursing und digitale Prozesse, die Zeit für das Wesentliche schaffen: Beziehung, Orientierung und Selbstbestimmung.
Wenn Johnny Fischer am Morgen in die Cafeteria kommt, gehört die Zeitung dazu – und oft ein kurzer Blick in den Garten. Am Abend ist es die Musik, die seinen Tag abrundet. Der 1930 in Wien geborene Jazzbassist hat viel erlebt: 1939 kam er mit dem Kindertransport nach England, später spielte er in amerikanischen Clubs, arbeitete in Musikstudios – und fand schließlich in München-Bogenhausen seinen Lebensmittelpunkt. Er kennt den Stadtteil, liebt „sein“ München und wollte genau hierbleiben.

Im Haus an der Effnerstraße lebt er seit 2016 – zunächst gemeinsam mit seiner Frau in einer Wohnung mit Service, seit drei Jahren im Pflegebereich. Dass sein Alltag trotzdem „sein“ Alltag bleiben kann, hat viel mit einem Prinzip zu tun: einer festen Ansprechpartnerin. Marijana Milankovic ist seine Primary Nurse (PN). Sie kommt nicht nur zu den geplanten Pflegebesuchen, sondern schaut immer wieder kurz vorbei, fragt nach, hört zu. Manchmal bekommt sie wortlos den Kopfhörer hingehalten – dann teilt sie für einen Moment die Musik mit ihm. Aus vielen kleinen Begegnungen ist Vertrautheit geworden.

Der Jazzmusiker Johnny Fischer mit Primary Nurse Marijana Milankovic in den Räumen des Hauses an der Effnerstraße

Über die Zeit ist zwischen Johnny Fischer und Marijana Milankovic eine wohltuende Vertrautheit gewachsen (Foto: VIOS Medien)

Johnny Fischer zeigt die Stationen seiner berühmten Musikerkarriere auf einer Fotowand.

Fotos, Geschichten, Musik: Johnny Fischer zeigt die Stationen seiner berühmten Musikerkarriere (Foto: VIOS Medien)

Auch die Familie ist eng eingebunden: Johnnys Tochter steht per E‑Mail im regelmäßigen Austausch mit der Primary Nurse. Fragen zu Ärzt:innen, Medikamenten oder Veränderungen werden abgestimmt, das Team ist informiert. Für Johnny Fischer entsteht daraus ein Gefühl, das er selbst auf den Punkt bringt: „Ich bekomme Hilfe, nichts wird mir aufgedrängt – ich fühle mich gut betreut.“ Genau diese Mischung aus Nähe, Respekt und Fachlichkeit macht den Unterschied.

Personzentrierung und Primary Nursing – was heißt das konkret?

Personzentrierung bedeutet: Im Mittelpunkt steht der Mensch – mit seinen Bedürf­nissen, Wünschen, Wert­vorstellungen und seiner Lebens­geschichte. Nicht die Dia­gnose bestimmt den Alltag, sondern das, was der Person wichtig ist. Ent­scheidungen werden gemeinsam getroffen, Gewohn­heiten respek­tiert, Stärken geför­dert. Es geht um eine umfassende Sicht auf das aktuelle Erleben – und um Begleitung, die Orientierung gibt, ohne zu bevormunden.

Primary Nursing (PN) ist dafür ein tragender Rahmen. In kleinen Wohngruppen und überschaubaren Pflegeteams übernimmt eine verantwortliche Pflegefachkraft – die Primary Nurse – die Koordination der Pflege und Betreuung. Sie kennt „ihre“ Bewohner:innen, plant Maßnahmen, stimmt sich interdis­ziplinär ab und ist erste Ansprechperson für Angehörige. Das Team arbeitet eigen­ver­antwortlich zusammen und vertritt sich zuverlässig.

Unterstützt wird dieser Ansatz durch digitale Abläufe: Dokumentation, Übergaben und Absprachen laufen transparent und aktuell über Smartphone. So können Teams schneller reagieren, Informationen gehen nicht verloren – und es bleibt mehr Zeit für Beziehung und Zuwendung.

Wie Primary Nurse Patricia Gräßer arbeitet

Im neurologischen Wohnbereich des Hauses an der Effnerstraße
wird Primary Nursing in drei PN-Gruppen gelebt – insgesamt 25 Plätze. Patricia Gräßer arbeitet seit 13 Jahren im Haus, viele Jahre als Pflegehelferin, seit 2024 als Pflegefachkraft. Seit Januar 2025 trägt sie als Primary Nurse die Hauptverantwortung für eine Gruppe von neun Bewohner:innen.

Für sie beginnt personzentrierte Pflege ganz bewusst mit dem Start: „Zum Einzug führe ich ein Kennenlerngespräch, erkläre Abläufe und binde das Team ein – so entstehen Orientierung und Vertrauen.“ Genau dieses Vertrauen ist die Grundlage dafür, dass Pflege nicht als „Takt“ erlebt wird, sondern als passgenaue Unterstützung: Wer später aufstehen oder abends duschen möchte, soll das können. In kleinen Teams lassen sich Veränderungen schneller umsetzen – ohne Umwege, ohne Reibungsverluste.

Patricia Gräßer vor einem Schichtenplan.

Patricia Gräßer bei der Einsatzplanung (Foto: VIOS Medien)

Patricia Gräßer und eine Kollegin halten zusammen einen Einsatzkalender in den Händen.

Primary Nurse Patricia Gräßer stimmt sich eng mit ihrem Team ab – damit Pflege verlässlich, transparent und individuell bleibt. (Foto: VIOS Medien)

Patricia Gräßer stimmt sich eng mit Ärzt:innen, Therapeut:innen, Ernährungsberatung, Küche, Betreuungsassistenz und der hausinternen Tagesbetreuung ab – und mit den Angehörigen. Die digitale Dokumentation hilft dabei, dass Übergaben klar sind, Informationen aktuell bleiben und Maßnahmen nachvollziehbar werden. So kann das Team im Alltag konsequent auf das schauen, was zählt: Wie geht es dem Menschen heute? Was braucht er jetzt? Was tut ihm gut?
Patricia Gräßer redet mit einer Person im Rollstuhl

Im neurologischen Bereich entsteht im Gespräch Nähe: Zuwendung beginnt mit Zeit und Aufmerksamkeit. (Foto: VIOS Medien)

„Jetzt darf ich loslassen“

Eine Angehörige beschreibt, wie spürbar sich das im Alltag auswirkt – gerade, wenn ein Einzug plötzlich und unter Druck passiert:

„Personzentrierung ist kein Schlagwort, sie wird gelebt. (…) Der Kontakt zu allen Pflegekräften ist sehr gut – zu meiner direkten Ansprechpartnerin (Primary Nurse), den Pflegefachkräften und Pflegehilfskräften ihres Teams. Alle sind informiert, ermutigen mich zu fragen und Bescheid zu geben. (…) Das Team handelt fachlich sicher, und ich werde proaktiv informiert – nicht wie früher, als ich ständig nachlaufen musste.“

Wie Vertrauen und Zuwendung gelebt wird, zeigt sich vor allem dort, wo Pflege über Grundversorgung hinausgeht: Die Angehörige berichtet, dass ihr Vater wieder am Leben teilnimmt – durch Aktivierung, Angebote, kleine Ausflüge in den Garten, immer „ohne Druck, mit Fingerspitzengefühl“. Und sie beschreibt eine Situation, in der die Primary Nurse hartnäckig nach Lösungen suchte: Bei nicht krankheitsbedingten Verdauungspro­blemen bezog Patricia Gräßer die Ernährungsberatung ein, spielte Möglichkeiten durch, hinterließ Hinweise für die Schichten – bis eine spürbare Verbesserung eintrat. Entscheidend sei gewesen, dass ihr Vater sich wieder mitteilt: „Er fasst Vertrauen, weil er sich wahrgenommen und nicht abgeschoben fühlt. Und ich (…) darf loslassen.“

Ein Satz, der den Ansatz zusammenfasst

„Die Einführung von Primary Nursing, unterstützt durch Digitalisierung, bringt wesentliche Verbesserungen der personzentrierten Pflege und Betreuung der Bewohner:innen und Angehörigen. Sie stärkt die menschliche, individuelle und professionelle Pflegebeziehung und
fördert Vertrauen, Qualität und echte Zuwendung“, sagt Vera Curic (stellvertretende Hausleitung/Pflegedienstleitung im MÜNCHENSTIFT-Haus an der Effnerstraße).

Vera Curic im Büro

Vera Curic (Foto: MÜNCHENSTIFT)

Symbolbild "Unser Tipp" für Infokasten unter unseren Beiträgen

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